Schwangerschaftsdiabetes

Eine häufiger auftretende Schwangerschaftskomplikation stellt der Gestationsdiabetes dar, eine erstmals während der Schwangerschaft und durch diese hervorgerufene Zuckerkrankheit. Es kommt zu einer krankhaften Erhöhung des Blutzuckers und oft auch zusätzlich zur Zuckerausscheidung in Urin. Diese Erkrankung ist gewöhnlich vorübergehend, belastet aber den Stoffwechsel der werdenden Mutter sehr stark und ist außerdem ein Hinweis darauf, dass im höheren Lebensalter die Gefahr eines manifesten Diabetes erhöht ist.

Viel schwerere Auswirkungen hat der Schwangerschaftszucker auf das Baby. Auffallend ist das deutlich erhöhte Kindsgewicht, das schon im Mutterleib beginnt. Bei der Ultraschalluntersuchung wird dann festgestellt, dass das Baby viel größer und schwerer ist als Babies durchschnittlich in der entsprechenden Schwangerschaftswoche sind. Es kann vorkommen, dass das Baby als sogenanntes „Riesenbaby“ auf die Welt kommt. Nicht selten muss dann aus diesem Grund ein Kaiserschnitt gemacht werden. Die Stoffwechselbelastung der Mutter kann auch auf das Baby übergreifen. Das führt in manchen Fällen sogar zu einem angeborenen Diabetes des Kindes.

Die Entstehung eines Schwangerschaftsdiabetes verläuft oft unbemerkt. Harnzucker und die Auffälligkeiten im Ultraschallbefund werden oft erst bemerkt, wenn der Schwangerschaftsdiabetes schon ausgeprägt ist und die Komplikationen beginnen.

Natürlich gibt es auch Möglichkeiten, das Auftreten dieser Komplikationen zu verhindern, in dem man bei ersten Anzeichen einer Stoffwechselveränderung Gegenmaßnahmen ergreift. Dazu ist es zunächst wichtig, festzustellen, ob die Gefahr eines Schwangerschaftsdiabetes besteht. Das ist mit Hilfe eines einfachen Labortestes möglich, dem sogenannten oralen Glucose-Toleranz-Test. Dieser Test wird in jeder Frauenarztpraxis angeboten. Die werdende Mutter sucht morgens nüchtern ihre betreuende Frauenarztpraxis auf. Nüchtern heißt: nichts essen, nichts trinken, kein Bonbon, kein Kaugummi und natürlich auch nicht Rauchen! Es wird zunächst der Nüchtern-Blutzucker bestimmt. Danach muss die Schwangere eine Zuckerlösung trinken, die einen genau definierten Zuckeranteil enthält. Dann wird nochmals nach 1 und nach 2 Stunden der Blutzucker gemessen. Während dieser Zeit sollte Ruhe gehalten werden. Aus dem Anstieg bzw. Abfall des Blutzuckerwertes kann genau erkannt werden, ob die Stoffwechselreaktion des Körpers normal ist. Wenn alle Werte im Normalbereich sind, ist keine weitere Therapie erforderlich.

Bei auffälligen Laborwerten sollte ein Spezialist für Diabetes die Situation genau beurteilen und eine entsprechende Therapie festlegen. Diese Therapie kann in einer entsprechenden, genau einzuhaltenden Diät bestehen oder auch das Spritzen von Insulin bedeuten. In jedem Fall aber kann man durch die Therapie das Risiko für das Kind vermindern. Trotzdem sind engmaschige Kontrollen des Kindes mittels Ultraschall und CTG erforderlich. Die Geburt sollte immer in einer dafür geeigneten Geburtseinrichtung erfolgen, das heißt, sie sollte über eine Neugeborenenintensivstation verfügen, damit das Kind sofort nach der Geburt optimal versorgt werden kann.

Es gibt seit längerem Bestrebungen, den Test auf Gestationsdiabetes als Routineuntersuchung in die gesetzliche Mutterschaftsvorsorge zu integrieren. Leider steht die Entscheidung darüber noch aus. Also ist auch diese vorbeugende Untersuchung bisher eine freiwillige Eigenleistung.