Die erweiterte Mutterschaftsvorsorge

Zusätzlich zu den Leistungen der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge gibt es vielfältige Möglichkeiten zusätzlicher Untersuchungen, die Hinweise auf weitere ernstzunehmende Gesundheitsstörungen geben können. Diese Untersuchungen sind bisher nicht Bestandteil der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge und müssen von den Versicherten selbst getragen werden. Trotzdem sind diese Untersuchungen sinnvoll und helfen, versteckte Risiken aufzuspüren. Dazu gehören die Risikoabschätzung auf ein Down-Syndrom und einen offenen Rücken, ein Screening auf Toxoplasmose und andere Infektionskrankheiten sowie der Ausschluss eines Schwangerschaftsdiabetes.

Es gibt drei Möglichkeiten, das Risiko für die bestehende Schwangerschaft abzuschätzen, dass das Baby an einem Down-Syndrom erkrankt sein könnte. Zunächst einmal gibt es das sogenannte Ersttrimester- Screening, das in der 11.-13. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann. Diese Untersuchung besteht aus einer sehr genauen Ultraschalluntersuchung, bei der vor allem die Dicke der Nackenfalte des Babies gemessen wird. Bis zu 3mm wird diese Nackenfaltendicke als normal eingeschätzt. Außerdem werden aus dem mütterlichen Blut zwei spezifische Laborwerte ermittelt, die in die Risikoeinschätzung mit einfließen. Sollten die Nackenfalte verdickt sein oder einer der Laborwerte auffällig, könnte im 4. Schwangerschaftsmonat eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden. Dieses Ersttrimester- Screening ist mit einer Treffsicherheit von 80% versehen.

 

Die zweite Untersuchungsmöglichkeit ist der sogenannte Triple-Test, der zwischen der 15. und 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden kann. Bei diesem Test wird der werdenden Mutter Venenblut entnommen, aus diesem Blut werden drei für die Schwangerschaft spezielle Laborwerte bestimmt, das ß-HCG (Schwangerschaftshormon),das freie Östriol (ein weibliches Geschlechtshormon) und das α-Fetoprotein (ein vom Baby gebildeter Eiweißstoff). Diese drei Werte werden in eine ganz spezielle Formel eingefügt, mit deren Hilfe das aktuelle Risiko für ein Down-Syndrom des Babies ermittelt wird. Dieses Risiko wird immer angegeben als eine Verhältniszahl von 1 : x , die mit dem Risiko der Altersgruppe verglichen wird. Ist das ermittelte Risiko geringer als das durchschnittliche Risiko der Altersgruppe, ist das ein sehr gutes Zeichen. Ist das Risiko höher als das der Altersgruppe, sollte zur genaueren Abklärung ebenfalls eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden. Die Treffsicherheit des Triple-Testes liegt bei 95%, also schon deutlich besser als die des Ersttrimesterscreenings.

Die dritte Möglichkeit der vorgeburtlichen Diagnostik ist die Fruchtwasseruntersuchung, medizinisch Amniocentese genannt. Diese Untersuchung sollte möglichst nicht vor der 15./16. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, da eine ausreichende Menge Fruchtwasser vorhanden sein sollte. Bei dieser Untersuchung wird unter Ultraschallsicht mit einer sehr feinen langen Punktionsnadel durch die Bauchdecke hindurch Fruchtwasser gewonnen. Aus diesem Fruchtwasser können in einem genetischen Labor kindliche Hautzellen gewonnen werden. Da jede Zelle des menschlichen Körpers das gesamte Erbmaterial des Menschen enthält, kann aus einer Hautzelle ebenfalls das genetische Material gewonnen werden. Daraus werden die Chromosomen extrahiert und dargestellt. So kann man neben dem Down-Syndrom auch andere Erbkrankheiten erkennen. Das  α-Fetoprotein gibt außerdem noch einen Hinweis auf einen möglicherweise offenen Rücken. Die Amniocentese ist also mit nahezu 100%iger Treffsicherheit die genaueste Methode zur vorgeburtlichen Diagnostik. Leider besteht im Gegensatz zu den anderen beiden Methoden ein Fehlgeburtsrisiko  von ca. 1%,da die Amniocentese ein invasiver Eingriff ist.

 

Bevor Sie sich entscheiden, eine der drei zusätzlichen Testmethoden auf Down-Syndrom und offenen Rücken zu wählen, erkundigen Sie sich bitte in Ihrer Frauenarztpraxis nach den entsprechenden Kosten, die je nach Methode sehr unterschiedlich sind.

Bei werdenden Müttern ab 35 Jahren sollte die Amniocentese immer durchgeführt werden, da ab diesem Alter das Risiko für ein Down-Syndrom über 1% liegt und mit  steigendem mütterlichen Alter auch weiter ansteigt. Bei Frauen ab 35 Jahren aufwärts übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Amniocentese, sowie bei jüngeren Frauen, die schon ein Kind mit einem Down-Syndrom geboren haben oder in deren Familie (auch in der Familie des Kindesvaters) Erbkrankheiten aufgetreten sind. In jedem solchen Fall sollte eine detaillierte genetische Beratung im Rahmen der Untersuchung erfolgen.

 

Neben banalen und gut mit Antibiotika zu behandelnden Infektionen, die natürlich auch in der Schwangerschaft auftreten können, gibt es auch einige schwerere Infektionskrankheiten, die zwar selten auftreten, aber gravierende Schäden hervorrufen können.

Die wichtigste davon ist die Rötelnembryopathie. Die Infektion mit Rötelnviren in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten führt zu schwersten Missbildungen beim Foetus. Daher gehört die Bestimmung des Röteln-Antikörpertiters zur Erstuntersuchung der werdenden Mutter.

Eine weitere schwere Infektionskrankheit ist die Toxoplasmose. Sie wird übertragen durch alle Absonderungen von Katzen sowie den Genuß von rohem oder nicht durchgegartem Fleisch oder Wurst. Die meisten Menschen geraten in Laufe ihres Lebens mit diesem Erreger in Kontakt und machen unbemerkt eine Infektion durch. Dadurch erwerben sie Abwehrkräfte, die sie vor einer erneuten Infektion schützen. Das funktioniert wie bei einer Kinderkrankheit. Sollten jedoch keine Antikörper vorhanden sein, kann eine Infektion in der Schwangerschaft zu schweren kindlichen Schäden führen. Daher hat jede Schwangere die Möglichkeit, durch eine zusätzliche Blutuntersuchung den Antikörperstatus feststellen zu lassen.

Das Gleiche gilt auch für die Untersuchung auf Listeriose- und Cytomegalie-Virusinfektion. Auch diese oft unbemerkt verlaufenden Infektionen können zu schweren kindlichen Schäden führen. Da Toxoplasmose, Listeriose und Cytomegalie- Infektion wesentlich seltener als Röteln auftreten, sind die erforderlichen Tests kein Bestandteil der gesetzlichen Mutterschaftsvorsorge und müssen von den Schwangeren selbst getragen werden. Natürlich gilt das nicht für solche Fälle, in denen aufgrund von klinischen Untersuchungen wie z.B. Ultraschall der Verdacht auf eine der genannten Infektionskrankheiten erhoben werden muss.