Alternative Heilmethoden

Seit einigen Jahren finden alternative Heilmethoden mehr und mehr Zugang zur Mutterschaftsvorsorge und Schwangerenbetreuung. Man spricht hierbei auch von der sogenannten sanften Medizin. Zu diesen alternative Heilmethoden gehören Akupunktur und Akupressur, die aus dem fernöstlichen Lebensraum stammen, Homöopathie und Phytotherapie, die mit pflanzlichen und anderen natürlichen Stoffen arbeiten, und Hypnose, eine Methode zur Herbeiführung einer tiefen Entspannung. Mit diesen natürlichen Methoden können sowohl viele allgemeine Schwangerschaftsbeschwerden gelindert werden als auch eine natürliche und entspannte Geburt vorbereitet werden. Es sind  bei keiner dieser Methoden Nebenwirkungen zu befürchten.

 

Akupunktur

Die Akupunktur ist eine Methode der Traditionellen Chinesischen Medizin und damit eine sehr alte Therapiemethode. Hierbei werden feine Nadeln an bestimmten Punkten in die Haut eingestochen. Diese Punkte liegen auf Energieleitbahnen, die am ganzen Körper vorhanden sind. Durch das Einstechen der Nadel wird der entsprechende Punkt gereizt und damit der Energiefluss wieder korrekt ausgerichtet. So können ohne Verwendung von Medikamenten viele Befindlichkeitsstörungen gebessert werden. Die Akupunktur findet in vielen Bereichen der Medizin Anwendung und ist aufgrund der geringen bzw. fehlenden Nebenwirkungen besonders für die Schwangerschaft geeignet. Bei folgenden Indikationen kann die Akupunktur eingesetzt werden:

  • Schwangerschaftsübelkeit,
  • niedriger Blutdruck,
  • schmerzhafte Zustände verschiedener Art,
  • besonders Rückenschmerzen,
  • Raucherentwöhnung bei Mutter und Vater.

Die Behandlung ist zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich und sinnvoll.

 

Akupunktur und Phytotherapie

Die Beeinflussung der pathologischen Lage des Kindes (sanfte „Drehung“ aus Beckenendlage oder Querlage) und die Geburtsvorbereitung kommen erst in den letzten 4-6 Schwangerschaftswochen zur Anwendung. Bei dem Versuch der sanften Drehung des Babies wird oft zusätzlich Moxibustion angewendet. Dazu wird eine glimmende Moxazigarre (ein Komprimat aus bestimmten Kräutern, besonders Beifuß) nahe vor bestimmte Akupunkturpunkte gehalten ohne direkten Kontakt. Durch den entstehenden Rauch werden diese Punkte ebenfalls sanft stimuliert. Diese Moxibustion sollte täglich 1 – 2 x durchgeführt werden. Das kann durchaus zu Hause der Ehemann der werdenden Mutter übernehmen. Die Akupunktur zur Geburtsvorbereitung wird in wöchentlichen Abständen erfolgen. Hierbei kann eine tiefe Entspannung schon ohne den Stress der Geburt erlernt werden. Es gibt inzwischen erste Untersuchungen, dass durch geburtsvorbereitende Akupunktur der Geburtsverlauf schmerzarmer und kürzer ist. Auch während des Geburtsverlaufes gibt es genügend Einsatzmöglichkeiten für die Akupunktur – z.B. bei ängstlicher Verspannung, Wehenschmerzen, funktionell verzögerter Geburtsverlauf und verzögerter Lösung der Nachgeburt in der Nachgeburtsphase.

 

Akupressur

Die Akupressur ist eine der Akupunktur sehr verwandte Methode. Es werden dabei die gleichen Punkte verwendet wie bei der Akupunktur, jedoch werden diese Punkte nur gedrückt, geklopft oder massiert. Diese Methode kann also bei guter Erreichbarkeit auch von der werdenden Mutter angewendet werden.

 

Homöopathie

Eine andere, ebenso schonende und wirksame Naturheilmethode ist die Homöopathie, eine im 18.Jahrhundert von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründete Therapieform. Bei dieser Methode  werden Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen durch natürliche Mittel, die aus Pflanzen, Tieren und Mineralien gewonnen werden und nach entsprechender Aufbereitung hochgradig verdünnt vorliegen, behandelt. Je höher die Verdünnung, auch Potenz genannt, desto seltener und leichter sind die Nebenwirkungen, die man auch als Erstverschlimmerung bezeichnet. Mit homöopathischen Mitteln können viele Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen behandelt werden wie zum Beispiel, Brustprobleme, Durchfallerkrankungen, Halsschmerzen, Husten, Juckreiz, Kopfschmerzen und Migräne, Varizen, Reizblase, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Schwindelanfälle, Blähungen und Sodbrennen, Verstopfen, Wadenkrämpfe, Zahnschmerzen, Übelkeit und psychischer Stress. Ein in Homöopathie geschulter Arzt wird aus den von Ihnen berichteten Symptomen entsprechend den homöopathischen Behandlungsrichtlinien das für Sie geeignete Mittel ermitteln. Das Mittel wird in Form von Kügelchen (Globuli),Tropfen oder Tabletten angewendet. Die homöopathische Geburtsvorbereitung wird schon etwas eher als die mittels Akupunktur begonnen. Hierbei werden Mittel angewendet, die besonders auf innere Ausgeglichenheit und Entspannung ausgerichtet sind. Auch für die Unterstützung  des Geburtsverlaufes gibt es geeignete homöopathische Substanzen.

In den Bereich der Homöopathie gehört die Behandlung mit Blütenkonzentraten. Die bekannteste davon ist die Blütentherapie nach Dr. Bach, außerdem gibt es noch die kalifornischen und australischen Blüten. Nach Meinung von Dr. Bach birgt die Blüte die wesentliche Energie einer Pflanze. Durch eine spezielle Aufbereitungsmethode gelang es ihm, die  Essenzen von Blüten zu gewinnen und in einer Zubereitung mit Quellwasser für die Anwendung herzustellen. Diese Zubereitungen wirken besonders auf die psychische Komponente von Krankheiten. Dr. Bach war überzeugt, und auch wir wissen heute, dass jede Form von seelischer Belastung die Widerstandskraft unseres Körpers herabsetzt und Krankheiten hervorrufen kann. So können wir die ausgleichende Wirkung der Blütenessenzen heute auch in der Schwangerschaft nutzen. Dabei richtet sich die Wahl der entsprechenden Blütenessenzen nach dem Persönlichkeitstyp und den bestehenden Beschwerden.

 

Hypnose

Eine Methode, die mehr und mehr Zugang zur Geburtsvorbereitung und Geburtsbetreuung findet, ist die Hypnose. Mit Hilfe dieser Behandlungsmethode kann die Fähigkeit einer ganz tiefen Entspannung erlernt werden. Diese Entspannung kann dann in einer Belastungssituation wie z.B. während des Geburtsvorganges  reproduziert werden, was wiederum zu einer Erleichterung dieser Situation führt.

Bei dieser Methode wird völlig auf Medikamente verzichtet. Die Hypnose erfolgt in der Arztpraxis in einer ruhigen, angenehmen Umgebung. Durch die Anwendung von Entspannungstechniken wird die Patientin in eine Trance versetzt. Die Trance ist ein Zustand, in dem man sich leicht und unbeschwert  fühlt und äußere Reize und Störungen unwichtig werden. Dieses Wohlgefühl ist sehr angenehm und bringt eine starke Entspannung mit sich. Man sollte sich die Trance nicht wie einen Schlaf vorstellen, der ja auch sehr entspannend ist. Während der Hypnose schläft die Patientin nicht, auch wenn ihre Augen geschlossen sind. Sie hört alle Worte ihres Arztes  und kann sich danach an alles erinnern. Die Hypnose kann niemals gegen den Willen der Patientin durchgeführt werden, ebenso sagt oder tut sie während der Hypnose nur Dinge, die sie auch sonst sagen oder tun würde.

Die Hypnosesitzungen sollten ca. ab der 30. Schwangerschaftswoche begonnen und wöchentlich durchgeführt werden. So kann die Patientin die Fähigkeit erlernen, diesen tiefen Entspannungszustand während des Geburtsvorganges zu reproduzieren und zu nutzen.